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Samstag, 07. Oktober 2017 07:42 Uhr

„Lange Transportwege töten“ - Demo gegen den Weggang der Unfallchirurgie

Höxter (TKu). Mehr als 150 Demonstranten haben am vergangenen Freitagabend in Höxter gegen den Weggang der Unfallchirurgie von Höxter nach Brakel demonstriert, der vor etwa einem dreiviertel Jahr vollzogen worden ist. Trotz starkem Regen waren viele Bürgerinnen und Bürger aus Höxter zur Kundgebung erschienen. Unter den Demonstranten befanden sich auf Nachfrage auch viele Mitglieder des katholischen Sozialverbandes KKV (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung), Mitglieder der Bürger für Höxter (BfH) sowie Mitarbeiter des Rettungsdienstes und ehemalige Angestellte der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge gGmbH.

Sie alle machten ihren Unmut Luft und spazierten friedlich von der Grubestraße in Höhe der Sparkasse bis zur Nikolaikirche. Mit dem Mikrofon begleitete der Höxteraner Ludger Haferkämper den großen „Regenschirm-Protestmarsch“. „Für den Erhalt der Unfallchirurgie in Höxter“, schallten die Protestrufe einstimmig auf dem Weg zur Nikolaikirche. Vor der Kirche sprach Ludger Haferkämper zu den Demonstranten und der Bevölkerung. Haferkämper hat die Kundgebung gemeinsam mit Ansgar Risse und Werner Schäfer organisiert, die den Banner „Wir fordern: Die Unfallchirurgie von Brakel sofort wieder zurück nach Höxter!“, vorne weg getragen haben.

Laut Haferkämper hat das Krankenhaus Holzminden wegen dem Weggang der Unfallchirurgie von Höxter nach Brakel mehr als 30% Zuwachs erhalten an Patienten aus Höxter und der näheren Umgebung. Nur wegen einer besseren Auslastung sei der Umzug vollzogen worden. „Das Konzept der KHWE funktioniert nicht. In Brakel gibt es keine Notaufnahme, keine Radiologie, die rund um die Uhr besetzt ist und keine Zertifizierung mehr für den Durchgangsarzt bei Arbeitsunfällen. Dem St. Ansgar Krankenhaus fehlt eine elementare Abteilung, die zu einem großen Haus wie dem Ansgar Krankenhaus dazu gehört“, sagt Haferkämper in seiner Rede.

Bestätigung gibt es auch von den ehemaligen Mitarbeitern des Höxteraner Krankenhauses. Sie sehen das genauso. „Jetzt wo wir in Rente sind, dürfen wir endlich den Mund aufmachen“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter der KHWE, der aber dennoch nicht genannt werden möchte. Laut Haferkämper attestieren Mediziner, die im Ansgar Krankenhaus gearbeitet haben, der Verwaltung der KHWE schwere Fehler.

„Lange Transportwege können töten. Nachweislich gibt es in dem Zusammenhang auch einen Todesfall“, berichtet Haferkämper in seiner Rede. „Mehr als 2000 Unterschriften haben wir schon zusammen gesammelt und es werden täglich mehr“, berichtet Haferkämper in seiner Ansprache.

„Erzbischof Hans-Josef Becker - Drehen Sie den Spieß um“, steht auf einem Plakat zu lesen. Gemeint ist damit der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE), Reinhard Spieß, den viele der Demonstranten persönlich für die Situation verantwortlich machen. Eine ehemalige Mitarbeiterin des St.-Ansgar Krankenhauses hatte ein Plakat dabei, auf dem Stand: „Was macht ein gutes Krankenhaus aus? Zufriedene Mitarbeiter!!!“. Der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE), Reinhard Spieß lässt die Meinung der Bürger unbeeindruckt, er hatte sich bereits am selben Tag in der Presse zu der Bürgerinitiative geäußert: „Die KHWE wird an dem Konzept der Spezialisierung und des weiteren Ausbaus des medizinischen und pflegerischen Angebotes festhalten. Das gilt für alle Standorte und Einrichtungen, also auch für das St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter und das St.-Vincenz-Hospital in Brakel“: Mit diesen Worten reagierte Reinhard Spieß auf die jüngsten Initiativen von Bürgern in Höxter, die die Unfallchirurgie aus Brakel wieder nach Höxter zurückverlegen lassen möchten. „An vielen Standorten in Deutschland wurden die Kliniken für Orthopädie und Unfallchirurgie zusammengelegt, das ist nichts Neues“, argumentiert Reinhard Spieß.

.be

Fotos: Thomas Kube

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