Mittwoch, 16. Oktober 2019 19:26 Uhr

Ein ganzes Dorf räumt auf: Brakel-Erkeln durch Unwetter besonders getroffen im Kreis Höxter

Für Oma und Opa schippen Maike und Ronja Avenarius gemeinsam mit Mutter Sabine Avenarius die Einfahrt frei

Brakel/Erkeln (TKu). Nach dem verheerenden Unwetter mit Überschwemmungen und Schlammlawinen packt ein ganzes Dorf mit an, die Folgen des Unwetters zu beseitigen, die durch das Tiefdruckgebiet Sébastien in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch entstanden sind. Im Kreis Höxter traf es die 550 Einwohner starke Ortschaft Erkeln neben Hembsen und Beller besonders stark. Es gibt kaum einen Fleck in Erkeln, der von der braunen Masse verschont geblieben ist. Am Mittwochabend stehen noch immer viele Keller unter Wasser. Das sei aber nicht das Schlimmste daran, sondern in den Kellern stehe auch ebenso viel Schlamm, so dass es schwierig sei, die zähe Masse mit Tauchpumpen abzupumpen, berichtet uns ein betroffener Anwohner. Der Starkregen war so enorm, dass sich Sturzbäche gebildet haben, die große Steine, Motorräder und sogar ganze Autos hunderte Meter mitgerissen haben.

Augenzeugen sprachen von einer ein Meter hohen und sehr breiten Wasserwelle, die durch das Dorf gezogen sei. Neben Erkeln waren auch viele andere Ortschaften im Kreis Höxter betroffen, aber eben nicht so sehr, wie in Erkeln. Das große Aufräumen wird wohl noch Tage wenn nicht sogar Wochen in Anspruch nehmen. Alle Bewohner arbeiten Hand in Hand und ziehen an einem Strang: Die Feuerwehr, der städtische Baubetriebshof, die Landwirte mit ihren Traktoren, Baggern und Wasserbehältern, Freunde und Bekannte der Anwohner und natürlich die Betroffenen selbst. Vor den betroffenen Häusern stapeln sich Möbel und Unrat. Die Erkelner zeigten sich erschüttert von der Wucht der Naturkatastrophe: So ein Ausmaß habe man in Erkeln noch nie erlebt, berichtet eine Bürgerin aus Erkeln. Die Stimmung ist trotz des Desasters aber ruhig und voller Tatendrang. Für Oma und Opa schippen Maike und Ronja Avenarius gemeinsam mit Mutter Sabine Avenarius die Einfahrt frei, da das Seniorenpaar selbst dazu nicht in der Lage ist, diese Kraftanstrengung zu bewältigen. Ähnlich sieht das im gesamten Dorf aus, die nicht betroffenen Nachbarn helfen, wo sie nur können. Sogar Hilfe aus Osteuropa gibt es: Emil aus Rumänien hilft den Eltern seines Chefs. Gemeinsam mit Helfer Emil räumt die betroffene Marlene Brinkmann die Gegenstände aus dem unter Wasser und Schlamm stehenden Keller des Wohnhauses. Marlene Brinkmann ist dankbar für die Hilfe, sie lobt aber nicht nur Emil für die Unterstützung sondern auch ihre Nachbarn, die es weniger getroffen hat. Sie haben Marlene Brinkmann bis 04:00 Uhr Morgens unterstützt, vor allem aber auch mental, sagt sie. Die Feuerwehrleute hatten bislang keine Atempause. Vielen von ihnen steht der Schlamm ins Gesicht geschrieben beim Wegspritzen der braunen und zähen Schlammmasse.

Unterstützung erhalten die Erkelner Feuerwehrleute auch von den Nachbarwehren mit Ausnahme der Wehr aus Hembsen, die selbst in ihrem Ort im Dauereinsatz ist. Zeitweise musste für die Aufräumarbeiten sogar der Strom abgestellt werden. Die Stadt Brakel hat Container aufstellen lassen, in die die betroffenen Bürger in Erkeln zerstörten Hausrat packen können. Nicht ganz so schlimm aber auch schlimm getroffen hat das Unwetter im Nordkreis die Ortschaften Albaxen, Amelunxen, Bredenborn, Bruchhausen und Ottbergen sowie auch einige Ortschaften im Südkreis im Raum Willebadessen und Borgentreich. In Ottbergen stand stundenlang die Bahnstrecke unter Wasser, was für Zugverspätungen oder ganze Ausfälle gesorgt hat. Nach 22 Uhr rückte das Tief Sébastien schräg durch die Kreise Höxter und Holzminden vor und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Das Tiefdruckgebiet lag mit seinem Kern über der Nordsee und hatte insbesondere für unsere Region mehrere Minuten langen Starkregen, Blitze und Donner sowie heftige Sturmböen mit im Gepäck. Auch in Höxter liefen Keller voll Wasser und Bäume stürzten um. Im weiteren Verlauf der Nacht auf Mittwoch verlagerte sich der Gewitterschwerpunkt in den Norden und Nordosten Deutschlands.

Fotos: Thomas Kube

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