Dienstag, 27. August 2019 10:32 Uhr

Islandpferdesport im Hochsommer

Bad Driburg (red). Zum vierten Mal in Folge hat der Trappistenhof ein offenes Sportturnier für Islandpferde ausgerichtet. Vom 16. bis 18. August tölteten über 200 Pferde auf der großzügig gelegenen Hofanlage am Eggegebirge um den Sieg in verschiedenen Prüfungen.Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten schon am Donnerstag aus den umliegenden Bundesländern, sowie aus den Niederlanden, Bayern und Berlin an. Angefangen mit einem Tagesturnier im Jahr 2015 mit knapp 90 Teilnehmern, ist das Sommerturnier am Trappistenhof mittlerweile ein fester Bestandteil in der Jahres- und Turnierplanung vieler Islandpferdereiter geworden. 

Geschicklichkeit, Dressur und Tölt am Freitag

Am Freitagmittag startete das Turnier mit den Geschicklichkeits- und Dressurwettbewerben. Ein neu angelegter Trailplatz mit festen Hindernissen sorgte bei den Zuschauern und Reitern für staunende Gesichter. Vom Stangenlabyrinth, einhändigem Reiten eines Slalom mit Transport eines Gegenstandes, über eine Wippe bis zu einem improvisierten Wassergraben waren nicht nur Aufgaben dabei, die die Gelassenheit von Pferd und Reiter testeten, sondern auch das reiterlicht Geschick und eine präzise Hilfengebung. 

Die Dressurwettbewerbe fanden auf dem Dressurviereck des RV Bad Driburg statt. An diesem Tag trabten und galoppierten die vielseitigen Islandpferde auf dem federnden Boden des großen 20x60m Viereck und zeigten ihr Können in den verschiedenen Lektionen. Von der Kinderklasse, die eine Reiterprüfung in der Abteilung ritten, bis zu den Einzelstarts in der offenen Klasse waren viele Teilnehmer, die auch an Tölt- und Gangwettbewerben auf der Ovalbahn teilnahmen, vertreten.

Den Abschluss am Freitagabend lieferten die Töltprüfungen auf der Ovalbahn des Trappistenhofes. Die Vorentscheidungen in den verschiedenen leichten Prüfungen und eine Futurity-Prüfung für junge Pferde beschlossen den ersten Turniertag. In den Futurity-Prüfungen wird die Vorstellung der Pferd-Reiter-Kombination aus der Bahmitte heraus von einem Richterteam kommentiert. „In den Futurity-Prüfungen für 5- und 6jährige Pferde werden die besten Phasen des Rittes bewertet und somit eine Zukunftsperspektive für das Pferd im Islandpferdesport gegeben.“, erklärt Vanessa Greitemeier, die ebenfalls auf dem Turnier gerichtet hat. „Kleinere Fehler im Takt oder Balanceschwierigkeiten fließen nicht in die Bewertung ein, solange das Pferd sicher eine gewisse Strecke in der vorzustellenden Gangart zeigt.“ Eine weitere kommentierte Prüfung, die als Pilotprojekt beim Dachverband der Islandpferdereiter (IPZV) in der Turniersaison 2019 laufen, legt den Fokus mehr auf die reitereichen Fähigkeiten und das Zusammenwirken der Hilfen. Hier erhält jeder Reiter nach seinem Aufgabenteil einen knappen Kommentar und eine Note, sodass er direkt Feedback zu seinen Leistungen bekommt. 

Zwischenfinals, Mehrgangprüfungen und Mitternachtstölt in der Dämmerung 

Die schweren Tölt- und Gangprüfungen, in denen man sich für die höheren Leistungsklassen und die deutschen Meisterschaften für Erwachsene und Jugendliche im kommenden Jahr qualifizieren konnte, wurden am Samstag ausgerichtet. In einigen Prüfungen starteten über 50 Teilnehmer, sodass mehrere Zwischenfinals ausgerichtet worden sind. Das C-Finale für den schweren Viergang fand noch am Samstagabend statt, die B-Finals am Sonntagvormittag. Für die Finals qualifizierten sich die besten fünf Reiter in der Vorentscheidung, während in den Zwischenfinals die jeweils weiteren fünf Startplätze qualifiziert sind. Im abendlichen C-Finale, Startplatz 10-15, gewann Susanne Laue, die aus dem Münsterland angereist war, mit ihrem Rasmus vom Rebberg vor den beiden Hessinnen Sina Günther und Sarah Hensel. 

Mittlerweile ist der Samstagabend in der Hand des Mitternachtstölts. Beim ersten Mal noch zaghaft angenommen, starteten in diesem Jahr wieder neun Reiterinnen und Reiter mit ihren Töltern in dieser Prüfung. Das beste Kostüm und der beste Tölter wurden von zwei Richtern und dem Publikum ermittelt. Die Teilnehmer zeigten auf Anweisung verschiedene Aufgaben und Ausführungsformen im Tölt und so wurden nach und nach die Tölter selektiert. Es blieb spannend bis zum Schluss und erst kurz vor der Kostümwertung wurde das Rätsel um den Sieg gelöst. Mareike Abrill und Kaffein vom Möllerhof gewannen den Mitternachtstölt auf der mit Lichterketten geschmückten Ovalbahn. Der Kostümpreis, der vom Publikum mit ausgewählt wurde, ging in diesem Jahr an Clara Miel-Berndt, die sich und ihren tapferen Reynir als „Der Fischer und sein Ausflugsdampfer vom Friedrichstein“ verkleidete. Der Kreativität sind in dieser Prüfung keine Grenzen gesetzt, sodass neben dem Fischer auch eine Pippi Langstrumpf, Indiana Jones, Prinzessinnen, Peter Pan, eine wilde Hochzeit und viele weitere tolle Kostüme in der Abenddämmerung tölteten.

Finaltag am Sonntag

Nachdem der Sommer am Freitag und Samstag alle Teilnehmer verwöhnt hatte, startete der Sonntag mit leichtem Nieselregen. Das erste Finale des Tages entschieden Silke Lötters, die gebürtig aus dem Paderborner Raum stammt und nun in Greven beheimatet ist, und Melanie Gutmann, die ihre Pferde auf dem benachbarten Glockenhof in Pension stehen hat. Beide Reiterinnen hatten die gleiche Endnote und ergatterten sich einen Startplatz im A-Finale ihrer Viergangprüfung. Die B-Finals in den schweren Töltprüfugen gewannen Heike Korter und Ronja Gude, in der Kinderklasse zeigten Jorin Hanke und Silja Mallison, dass sie ihre Pferde in vier und fünf Gangarten auf der Ovalbahn reiten können. Die junge Silja Mallison zeigte mit ihrer schicken Stute Sorta, dass man auch mit gerade mal Kinderklasse L schon flotten Rennpass reiten kann.

Das A-Finale in der Pilotprüfung „Tölt und Rennpass“, die sehr gut von den Teilnehmern angenommen worden ist, gewann Miriam Dehnelt mit ihrem Hengst Snjall, das Fünfgang B-Finale, wo neben den Grundgangarten auch Tölt und Rennpass gezeigt wird, entschied Alexandra Engels für sich. Das B-Finale der schweren Viergangprüfung gewann Susanne Laue, die sich für ihr zweites Pferd Orri vom Wiewelhook entschieden hatte, knapp vor Celine Thesen und Mark Müllenborn.Laura Jäger und ihr schicker Punktur gewannen nach Platzziffern vor Miriam Dehnelt und Snjall die leichte Töltprüfung. In der Kinderklasse der gleichen Prüfung gewann wieder Silja Mallison vor Phil Koch und Lilu Rütten.

Am frühen Nachmittag hatten die jüngeren Turnierpferde ihren Einstand und durften in den Futurity-Gangprüfungen Turnierluft schnuppern. Aus der Mitte heraus kommentiert, zeigten sie Tölt, Trab, Schritt, Galopp und Rennpass. Hier gewann in der Klasse der 5jährigen Viergänger Milena Frische mit Dís, vor Sina Klepp mit Pegasus und Sina Günther mit Hvellur. Milena Frische ließ auch bei den 6jährigen Viergängern keinen an sich vorbei und zeigte mit der schicken Nicolee vom Rappenhof die besten Momente. Platz zwei ging an Isabelle Bachert und Fönix, Platz drei sicherte sich Mareike Abrill mit Máni. +++ Die Endausscheidungen in den schweren Tölt- und Gangprüfungen wurden durch einen kurzen, aber heftigen Regenschauer unterbrochen. Nach zehnminütiger Pause startete der Finalreigen und das erste A-Finale gewann Milena Frische mit Tangó, der das beste langsame Tempo Tölt, die harmonischten Tempounterschiede und den flottesten Tölt am Ende zeigte. Christian Simmer und Anika Landefeld folgten auf Platz 2 und 3. Das A-Finale der Töltprüfung T4, wo zunächst beliebiges Tempo Tölt, anschließend ruhiges, langsames Tempo Tölt und nach dem Handwechsel der Zügel in eine Hand genommen wird, sodass dieser in Schlaufen während des Töltens durchhängt, gewann Ludger Hofmann mit seinem selbstgezogenen Demantur vom Rappenhof.

Den schweren Viergang entschied Christian Simmer für sich. Sein selbstgezogener Thor vom Graubachhof erzielte die besten Noten vor Susanne Laue mit Orri, die aus dem B-Finale in das A-Finale gekommen war und hier den zweiten Platz belegte. Die letzte Prüfung des Turniers war der Fünfgang. Da in dieser Prüfung Tölt und Rennpass verdoppelt werden, kann sich bis zum letzten Aufgabenteil vieles verändern. Hier hatte Lea Schneider aus Kaufungen mit ihrem erfahrenen Kraftur die Nase vorn und ließ Lisanne del Rio und Josefine Rösner mit Abstand hinter sich zurück. 2020 finden wieder zwei Turniere auf dem Trappistenhof statt. Ein Tagesturnier am 01. Mai und das Sommerturnier vom 14. bis 16. August 2020.

Foto: Dirk Avenarius, Erwin Schmid

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